Templiner Zeitung vom 3. Juli 1999 |
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Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Kontze
Funkenhagen. Ab heute, 16 Uhr, lässt er in Funkenhagen die Puppen tanzen. An jedem Wochenende. Acht Wochen lang. Freitags, sonnabends und sonntags. Mit der Verwirklichung die ses Etappenziels, gesteht Klaus Breuing vom Berliner Winzigen Wanderpuppentheater "Lampion" auch ein wenig eigennützig ein, bereite er sich selbst ein Geschenk. Gestern hat der gelernte Maschinenbauer, den, wie er es formuliert, "die Puppen nicht mehr loslassen", Geburtstag gefeiert, 47. Lindenholzköpfe Mit 25 hat er angefangen zu spielen, Puppen zu schnitzen, ihre Kostüme zu schneidern, Guckkastenbühnen zu bauen, Beleuchtung zu basteln. All das steckte in einem Rucksack, etwa einen Zentner schwer. Damit tourte der Solospieler in den Jahrzehnten "zwischen Zwickau und Hiddensee, übern Harz, hin und her". Rund 60 Puppen, Marionetten und Mimikfiguren (mit beweglichem Gesicht) zählt seine illustre |
"Holzkopf-Schar". Zumeist "lebendig
gemachtes" Lindenholz. Kinder zwischen
drei und 10 Jahren begeistert er
damit ebenso wie Erwachsene - für die
Großen gibt es sogar Abendvorstellungen.
Auf Wunsch werden dazu auch
Imbiss-Happen und ein guter Schluck
gereicht. Aufführungen zu besonderen
Anlässen können vereinbart werden.
"Eine wilde Müllhalde" Dass der Berliner mit seiner Puppenbühne - Mitglied des Weltpuppenspielverbandes - in Funkenhagen landete, ist eher ein Zufall. Ein Häuschen auf dem Lande hatte er gesucht, der "deprimierenden Großstadt" zu entfliehen. Das Haus im Grünen hat er nun, mit der einstigen Funkenhagener Dorfschule - und etliche Sorgen mehr. Seit drei Jahren ist der Puppenspieler, wie er erzählt, am Bauen. Im einstigen Nebengelass - Stall und Plumpsklo - "eine wilde Müllhalde", hat er die ehemalige Bushaltestelle liquidiert, Fußboden und Zwischendecke mit Bohlen ausgelegt, einen Fachwerkstempel eingezogen, den 60-Plätze- Spielraum provisorisch eingerichtet, |
Fenster und Türen eingesetzt, ein Bühnen-Podest
gezimmert, Lampions aus
Holzgerippe und chinesischer Seide
angefertigt - und vor allem eine kleine,
unentbehrliche Werkstatt eingerichtet.
Solist voller Pläne Im Herbst will er das Schuppendach neu decken - und nach und nach ein weiteres großes Ziel verwirklichen: die Sanitäranlage auf Vordermann bringen und schließlich das Dachgeschoss über dem Puppenraum zu einer Ferien-Bleibe für etwa 20 bis 25 Kinder ausbauen, "für nicht allzuhohe Ansprüche", wie er anfügt, für den kleinen Geldbeutel also. Vor allem für "Erlebnisferien beim Puppenspieler", in denen man gemeinsam Kasperle & Co. baut für zu Hause, und freilich auch die Puppen in kleinen, selbsterdachten Spielen tanzen lassen könne. Außerdem schwebe ihm auch vor, einmal "Kurse im Puppenbau anzubieten". Er hoffe, sagt der unbändige Optimist, dass er mit dem Bauvorhaben in etwa zwei Jahren soweit ist. "Wenn ich das Dach drauf habe im Herbst," sagt er, "bin ich schon froh." |